Zum zehnjährigen von
ET420-Online
Ein Blick auf den Kalender und ein Gedanke: "Boah, das ist ja mal ein Ding, am 24. November ist es genau 10 Jahre her, das diese Seite online gegangen ist!"
ET420-Online
Und so kommt es, dass es an dieser Stelle etwas in eigener Sache zu lesen gibt, obwohl es doch sonst nur um eine Sache geht. Und zwar einem S-Bahntriebzug, das es damals noch in beinahe noch 480facher Ausführung gab und das seinerzeit noch so alltäglich war, dass sich nicht wenige Leute fragten warum man genau über diese Fahrzeuge eine Webseite einrichten sollte. Die "Alltäglichkeit" dieses Triebzuges hat in diesen zehn Jahren an den meisten seiner Einsatzorte rapide abgenommen. Oftmals ist er schon völlig in Vergessenheit geraten.
Es ist heute einfacher zu erklären, warum man eine Webseite um ein Fahrzeug in einer ca. 170facher Ausführung betreibt, das viele interessierte Menschen nicht vergessen möchten. Vieles hat sich in 10 Jahren verändert, vieles ist zwischenzeitlich geschehen. Würde die Webseite erst heute online gehen, wer hätte uns 420er-Fans die letzten zehn Jahre virtuell im Netz begleiten sollen? Natürlich geht das auch ohne "Fanpage" - es ging ja zuvor auch 31 Jahre auch ohne. Keine Frage, und doch stellt sich für viele das Gefühl ein, die Beschäftigung mit einer so speziellen Thematik, wie es beispielsweise die Baureihe 420 ist, hätte sich erst durch die Wirkung der neuen Medien intensiviert. (vornehmlich die mit den Ordnungsnummer zwischen 431 und 440).
Vom Fuzzy der Auszog, den "Heiligen ET" zu finden.
Bestätigen kann diese Einschätzung zumindest eine Person, und zwar diejenige die gerade diese Zeilen verfasst und diese Seite seit nunmehr zehn Jahren betreibt. Alleine durch die Präsenz dieser Webseite sind mir viele Kontakte und Erkenntnisse zuteil geworden, die in dieser Form sich mir sonst nie erschlossen hätten. Es ist im Grunde schon der Wirkung einer Online-Partnerbörse gleichzusetzen: Über das Land verstreute Menschen, die dieses spezielle Interesse für den ET420 teilen, finden plötzlich eine gemeinsame Plattform. Das klingt schon nach "Interaktivität", welche diese Webseite im eigentlichen Sinne nicht bietet. Denn der direkte Austausch zwischen den interessierten Personen findet bei ET420-Online bis heute nicht statt, obwohl es technisch durchaus möglich wäre. Hierfür wird an dieser Stelle - wie seit zehn Jahren üblich - auf das lebendige Forenangebot auf DREHSCHEIBE-Online verwiesen, zu dem noch ein paar Zeilen weiter unten folgen.
Tatsächlich laufen bei ET420-Online alle Kommunikationsfäden beim Webmaster zusammen, der ja nun auch wiederum der Autor dieses Textes ist. Übrigens, erst die Einrichtung dieser Webseite hat es mir ermöglicht, mich in der dritten Person zu beschreiben. ;-)
An dieser Stelle sollen also ein paar Zeilen zu meiner Person und meiner Intension zu dieser Seite folgen. Mein Interesse an der Eisenbahn im allgemeinen und der Baureihe 420 im speziellen rührt aus frühester Kindheit her. Auch hier ergeben sich durch diese Webseite als Kommunikationsmedium interessante Erkenntnisse zu dieser Tatsache. Viele Eisenbahnfans teilen mit mir diese Erfahrung des spurgeführten Weges zu frühkindlicher Erleuchtung, gleichsam als hätte in einer Prägephase ein schienengebundenes Erweckungserlebnis einen bleibenden Stempelabdruck im Bewusstsein (auch Unterbewusstsein) hinterlassen. Dieser Stempelabdruck könnte übrigens bei allen Gleichgesinnten, wie auch bei mir, gut auf das oben gezeigte Motiv der Deutschen Bundespost passen.
Interessant wie viele Gemeinsamkeiten man mit anderen Fans entdeckt und dennoch ist jeder Begeisterung für das "Objekt der Begierde" sehr differenziert. Allgemeine Positionen wie die freundliche Form der Fahrzeugfront, die beinahe unverwechselbare Geräuschkulisse bei Anfahrt, Ausrollen und Bremsung des Triebzugs, wie aber auch Gerüche, Farb- Licht- und Fahreindrücke sind im Konsens schnell als ET420-typische Attribute gefunden. Im Detail unterscheiden sich die Sichtweisen auf das Fahrzeug dann aber doch. Das zeigt sich schon oft daran, wie man den ET420 in seiner Lebenswelt zumeist wahrnimmt oder wahrgenommen hat.
Wer täglich damit zur Schule oder Arbeit fuhr, betrachtet diesen treuen Begleiter seines Alltags sicherlich anders, als derjenige der den ET420 nur zu besonderen Anlässen, z.B. beim Besuch in der "großen Stadt", zu Gesicht bekam. Zu letzter Gruppe darf ich mich getrost zählen, da dieses Fahrzeug für mich - trotz des Charmes der Banalität des Alltäglichen - immer ein außergewöhnliches Fahrzeug geblieben ist.
420-Fan ist nicht gleich 420-Fan
Eine besondere Gruppe von Enthusiasten rekrutriert sich aus dem Kreis von Menschen, welche die Baureihe 420 ihren Arbeitsplatz nennen dürfen. Und dazu zählen nicht alleine die vielen Triebfahrzeugführer, obwohl diese zweifellos dem Gegenstand des Interesses am nächsten sind. Besonders bei ihnen zeigt sich eine von allen anderen Fans unterscheidbare Hassliebe zu diesem Fahrzeug. Nicht unerwähnt bleiben sollte, das dieser Schlag von Triebfahrzeugführern zumeist unter Kollegen schnell auffällt.
Die meisten Tf haben ein nüchternes bis differenziertes Verhältnis zu ihrem Arbeitsplatz. Das gilt auch oft für den 420 und heutzutage noch verstärkt, da er nicht die Komfortattribute medizinisch-ergonomischer, klimatisierter Führerstände aufweist. Anderseits gibt es so gut wie keinen Tf, der je auf dem 420er Dienst tat und dem Fahrzeug ein vernichtendes Zeugnis ausstellen wollte. Das erklärt sich weniger aus den besonders guten Eigenschaften des 420, als vielmehr aus dem Selbstbewusstsein dieses Berufsgruppe. Ein Tf der vor seinen Kollegen eingesteht mit einer Baureihe überhaupt nicht klarzukommen, droht schnell als untalentiertes Weichei abgestempelt zu werden. Da galt es schon für viele Generationen von Triebfahrzeugführern die Zähne zusammenzubeißen.
Zu Zeiten der Bundesbahn war der Dienst auf dem 420 die Durchgangsstation im beruflichen Aufstieg von der Rangierlokführer zum Seniorchaffeur auf der edlen 103 vor den ranghöchsten Zügen des Fernverkehrs. In den Zeiten der staatlichen Privatbahn bleibt der Arbeitsplatz auf dem 420er eine Zwischenetappe. Heute aber zumeist auf dem Weg zu einer höherwertigen Beschäftigung bei der Güterverkehrssparte oder in einem beschaulicheren (gerne auch verdieselten) Regionalbahnbereich.
Ein Mobilitätskonzern als ET420-Fan
Woher ich diese Einschätzung habe? Ganz einfach: Durch das Betreiben einer Webseite, die sich der Baureihe 420 als Thema angenommen hat. In diesen zehn Jahren kam ich dadurch nicht nur erstmals mit den Leuten am Fahrbremsschalter ins Gespräch, auch ihren Brötchengeber und gleichzeitigen 420-Alleineigentümer habe ich dadurch näher kennen gelernt. Das Interesse lag dabei nicht nur allein meinerseits, wie ich recht schnell erfahren durfte. Vielmehr haben so manche Besuche auf dieser Webseite rein beruflichen Charakter. Mich beeindruckt immer noch die Vorstellung das Angestellte aus dem DB Konzern ihren Stundenlohn auch für den Besuch auf dieser Webseite verdienen. Im Grunde ist das nicht überraschend für einen Konzern, der spürbar unruhig wird, wenn beispielsweise seine Verschrottungspolitik der Öffentlichkeit wieder ins Gedächtnis gerufen wird. Wer aber, insbesondere in der Epoche des vorhergehenden Bahnchefs, wie oft und aus welchem Grund diese Webseite besuchte, wird wohl auf ewig unbeantwortet bleiben.
Oft drängte sich mir der Eindruck auf, da draußen schleicht ein scheues Reh im Dämmerlicht durchs Unterholz und blinzelt ganz verstohlen in die dargeboten Webseiten. Das dieser Eindruck nur als subjektives Bauchgefühl gewertet werden kann, hat sich immer dann gezeigt, wenn ich den offiziellen Kontakt suchte. Der stets korrekte Umgang mit meinen Anliegen sollte an dieser Stelle deutlich gewürdigt werden. Freundlich und zumeist Hilfsbereit wurde mir begegnet, auch wenn ich förmlich so manche innere Stimme meines Gegenüber hören konnte, die fast verzweifelt sich fragte warum ausgerechnet er/sie (vorzugsweise "sie") sich jetzt mit diesem Freak befassen sollte. Wahre Größe zeichnet sich dort aus, wo man verständnisvoll bleibt, auch wenn man das angemeldete Interesse nicht so recht für sich nachvollziehen kann. Ich kann mir das nur so erklären: Meine Faszination für die Faszination der scheinbaren Banalität (sprich: 420), scheint in diesem Moment auch diese Leute ein wenig zu faszinieren.
Und wenn zu Zeiten des großen Datensammelns es nicht schon längst aktenkundig wurde, so möchte ich es an dieser Stelle betonen: Diese Seite stellt keine Gefahr für den Fortbestand der Deutschen Bahn AG dar. Das konnte nunmehr schon über eine Zeitspanne von 10 Jahren bewiesen werden. Richtig ist aber auch folgende Feststellung: In den vergangen 10 Jahren wurde nicht ein einziger 420er von der Deutschen Bahn verkauft. Nein, selbst der als Einzelwagen verbliebende 420 002 im Deutschen Verkehrsmuseum in München ist eine Dauerleihgabe des Bahnkonzerns. Sollte aber jemals ein 420 zum Verkauf stehen – sie werden es auch hier erfahren.
Der Statistiker als 420-Fan
Nicht unerwähnt bleiben sollten auch andere Institutionen und Firmen, die in den vergangenen 10 Jahren mit der Thematik unvermittelt konfrontiert wurden. Da sind in erster Linie die Hersteller des Fahrzeugs genannt, die oftmals heutzutage in diesem Geschäftsfeld gar nicht mehr bewegen.
Seit dem Entschluss zur Realisierung dieser Webseite ist das Thema Statistik ein treuer Begleiter. Den Grundstein zur ET420-Seite legte übrigens die DREHSCHEIBE, bzw. die Menschen die hinter dieser Zeitschrift und der allseits bekannten Webseite stehen. Der Datensatz auf dem die Fahrzeugliste beruht, wurde mir damals selbstlos zur Verfügung gestellt. Von da an konnte der Aufbau und die Pflege der Statistik beginnen. Und mittels der Daten konnten noch viele bis dahin mir unbekannte Erkenntnisse zu diesem Fahrzeug gewonnen werden. Ohne diesem Baustein würde der Webseite wohl ein wesentlich geringeres Interesse entgegen gebracht werden. An dieser Stelle sei den Machern der DREHSCHEIBE herzlich gedankt. Und weil schon die fehlende Interaktivität der 420er-Seite zum gemeinsamen Meinungsaustausch hier erwähnt wurde: Sie ist ganz bewusst nicht vorhanden, da der gewünschte Austausch in den gutbesuchten Foren von DREHSCHEIBE-Online schon längst gegeben ist. Das möchte ich als einer von tausend Forumsbesuchern gerne an dieser Stelle betonen.
Der Zug der Zeit – 10 Jahre 420 im Netz
Bleibt nach diesem groben Rückblick auf das vergangene 420-Jahrzehnt noch der Ausblick auf das Kommende. Hierzu kann ich sagen das längst nicht alles realisiert wurde, was ich mir schon vor zehn Jahren vorgenommen hatte. Ein Blick ins Einsatzkapitel zeigt das die Einsatzzeit an Rhein und Ruhr noch überhaupt nicht behandelt wird.
Das sich vieles wesentlich langsamer entwickelt als gedacht zeigt am eindrucksvollsten wohl das Design dieser Seite. Nun könnte man mit dem Schlagwort der "Beständigkeit" argumentieren und der Verdacht liegt ja auch nahe. Seit zehn Jahren hat sich die Aufmachung der Webseite kaum verändert. Für das Medium Internet eine eher ungewöhnliche Tatsache. In Wirklichkeit steht dahinter aber keine besondere Philosophie als vielmehr der Sachzwang resultierend aus Zeitmangel. Der Aufwand zum Betrieb einer Webseite sollte man keineswegs unterschätzen. Viele Hobbykollegen die wie ich damals in Anbetracht des neuen Mediums in Euphorie ausbrachen, haben zwischenzeitlich ihre Webprojekte wieder beerdigt. Der Faktor "Zeit" und "Aufwand" war dabei zumeist unterschätzt worden. Das war bei mir nicht anders. Was die Seite aber dennoch am Laufen hält ist neben dem grundsätzlichen Interesse an der Baureihe 420, der damit verbundene Spaß an der Sache. Und es gilt seither eine pragmatische Betrachtung auf das Projekt: Die Webseite ist auch als Archiv oder "elektronisches Gedächtnis" zu verstehen. Auch wenn mal monatelang keine Aktualisierung stattgefunden hat, kann die Seite immer als virtuelles Nachschlagewerk dienen.
Das Internet als elektronisches Gedächtnis – z.B. an einen S-Bahnzug?
Zuletzt möchte ich noch im Zusammenhang mit dem eben genannten "Gedächtnis" und "Nachschlagewerk" erwähnen, dass das "ET420-Online Lexikon" älter ist als Wikipedia! Die Grundidee muss wohl ungefähr die Gleiche gewesen sein, wobei auch in diesem Falle bei meiner Seite die Interaktivität in Form einer allseitigen Bearbeitungsmöglichkeit fehlt. Vielleicht ein Nachteil, möglicherweise aber auch ein großer Vorteil gegenüber dem großen Pendant.
Es zeigt jedenfalls was das Medium Internet für Möglichkeiten eröffnet. Auch wenn es sich "nur" um so etwas scheinbar banales wie einen S-Bahnzug handelt. Aber es sei daran erinnert: Auch hinter einer scheinbaren Banalität kann sich ein Faszinosum verbergen.
Text: Dirk Mattner





















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