Das kleine ET420-Lexikon

VVS

Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH

Mit der Eröffnung der S-Bahn für Stuttgart am 29.09.1978, kam es auch drei Tage später zur Einführung eines Verkehrsverbundes für den Grossraum Stuttgart, dem VVS. Bundesbahn und Kommune, sowie Bund und Land kamen bereits in den sechziger Jahren überein, eine Verbindungsbahn durch die Stuttgarter Innenstadt und von dort hinauf in Richtung Stuttgart-Vaihingen zu realisieren. Während der langen Planungs- und Bauzeit konnte an der Entwicklung eines gemeinsamen Verkehrsbundes nach Hamburger Vorbild gearbeitet werden. So lehnte sich das beschlossene Tarifsystem in vielen Punkten an die Strukturen in bereits bestehenden Verbünden an. Die Tarifgebiete wurden radial vom Zentrum Stuttgarts ausgehend aufgeteilt.

Der VVS hat als koordinierende Gesellschaft des ÖPNV in der Region Stuttgart einen Aufsichtsrat und eine Gesellschafterversammlung, in der die Gebietskörperschaften und Verkehrsunternehmen der Region vertreten sind.

Die S-Bahn bildet das Bindeglied zwischen Stadt und Land im VVS, wobei die Grenzen zwischen Stadt und Land fliessend sind. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Oberzentrum Stuttgart befinden sich wirtschaftlich starke Mittelzentren, wie z.B. Ludwigsburg, Esslingen, Leonberg, Böblingen oder Sindelfingen. Sie bilden zusammen mit Stuttgart ein Konglomerat, das als Wirtschaftsraum hinter dem Ruhr- und dem Rhein-Maingebiet an dritter Stelle in Deutschland steht. Die Verkehrsströme sind dementsprechend intensiv und die Situation wird durch die topografische Lage des Ballungsraums nochmals verschärft.

So pflegt die Stadt im Talkessel besonders ihren öffentlichen Nahverkehr und ist schon seit den sechziger Jahren des 20.Jahrhunderts auf dem Rückweg von der "Autogerechten Stadt". Der Traum eines ungezügelten und freizügigen Individualverkehrs zerplatzte schon sehr früh an den steilen Hängen des Neckartals und offenbarte sich als realer Alptraum. Durch den ohnehin hohen Anteil an Industrie drohte der Neckarraum mit dem wachsenden Autoverkehr in Lärm und Gestank unterzugehen. Die Stadtflucht erreichte in den siebziger Jahren ihren Höhepunkt, denn Stuttgart war die "graue Maus" unter Deutschlands Großstädten geworden: Eine Stadt mit niedriger Lebensqualität, gefangen in der SMOG-Falle.

Die Eröffnung der S-Bahn und der neuentstandene Verkehrsverbund markierten den Wendepunkt für die stressgeplagte Landeshauptstadt. Sicher war auch schon alleine die Beendigung der umfangreichen Bauarbeiten an S- und U-Bahn eine grosse Erleichterung, doch das neue Verkehrssystem lies die Stadt auch längerfristig aufatmen. So sind die Schnell- und Stadtbahnen und nicht zuletzt der Verbund heute die Garanten für eine wieder aufgeblühte Stuttgarter Innenstadt.

Die im Verkehrsverbund organisierten Verkehrsbetriebe haben immer wieder mit neuen Lösungen und innovativer Technologie weit über die Grenzen Stuttgarts für aufsehen gesorgt und oftmals im ÖPNV neue Maßstäbe gesetzt. Das Stadtbahnsystem, mit seinem kontinuierlichen Systemübergang seit zwei Jahrzehnten, ist das wohl beeindruckendste Beispiel dieser Entwicklungen.

Die S-Bahn bildet wiederum mit ihren bewährten Fahrzeugen der Baureihe ET420 ein solides Fundament für das Verbundnetz.

1978 startete der VVS mit 3 S-Bahnlinien in das neue Zeitalter:

  • S1 Plochingen - Schwabstrasse
  • S4 Ludwigsburg - Schwabstrasse
  • S6 Weil der Stadt - Schwabstrasse

Am 27.09.1980 wurde die S4 von Ludwigsburg bis Marbach verlängert.

Bis 1981 wurden drei weitere Linien in Betrieb genommen:

  • S5 Bietigheim-Bissingen - Ludwigsburg - Schwabstrasse ab 31.05.1981
  • S2 Schorndorf - Schwabstrasse, gleichzeitig mit
  • S3 Backnang - Schwabstrasse ab 26.09.1981

An der Anzahl der S-Bahnlinien hat sich seitdem nichts mehr geändert, jedoch erfuhren die meisten in der Zwischenzeit einige Erweiterungen. Ab dem 28.09.1985 erreichten die Linien S1 bis S3 S-Rohr und die S1 auch Böblingen. Die S1 folgt seit dem 5.12.1992 der Gäubahn bis Herrenberg. Schrittweise wurde schliesslich bis 18.04.1993 die Strecke der S2 und S3 zum Flughafen eröffnet. Erst im September 2001 stand nach längerer Zeit wieder einmal eine Linienverlängerung an: Die S2 ist über den Flughafen hinaus bis Bernhausen (Filderstadt) unterirdisch verlängert worden.

Ein Kuriosum im VVS-Tarifgebiet sind die Karlsruher Stadtbahngarnituren, die zu bestimmten Tageszeiten von Karlsruhe über Vaihingen/Enz bis nach Bietigheim-Bissingen kommen. Dort trifft dann die Karlsruher "S5" auf die regelmässige Stuttgarter "S5". Zu denken gibt dagegen die Tatsache, das die Stadtbahnwagen auf ihrer Reise von Baden nach Württemberg durch drei verschiedene Verbundgebiete kommen. Hier sei den Verantwortlichen ein Blick nach Berlin-Brandenburg oder nach Südhessen angeraten, wo z.B. der RMV als einziger Verkehrsverbund für die gesamte Region zuständig ist.

» www.vvs.de

(dm)
2002