Das kleine ET420-Lexikon

Verkehrsverbund

 

Ein Verkehrsverbund ist der Zusammenschluss möglichst aller Verkehrsbetriebe im Öffentlichen Personennahverkehr (kurz ÖPNV) einer Stadt, deren Ballungsraum oder einer ganzen Region zu einer Tarifgemeinschaft. Die Fahrpläne und Fahrpreise, sowie die Werbung werden zentral organisiert, dabei haben die beteiligten Träger ein Mitspracherecht.

Bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kam es erstmals in Berlin zu einem gemeinsamen Angebot zweier Verkehrsunternehmen im Städtischen Nahverkehr: Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Deutsche Reichsbahn welche die Stadt- Ring- und Vorortbahnen besass, vereinbarten eine Umsteigefahrkarte die dem Fahrgast die Benutzung beider Verkehrsmittel zu einem Tarif ermöglichte. Daneben kochte jeder weiterhin sein eigenes "Tarifsüppchen".

Die Verkehrsträger des ÖPNV, vorallem die in den westdeutschen Ballungsgebieten, sahen sich ab den 60er Jahren mit einem verstärkten Aufkommen des Individualverkehrs konfrontiert. In ihrem Interesse, aber auch in denen der Kommunen die durch diese Entwicklung die Lebensqualität ihrer Städte gefährdet sahen, entschloss man sich zum gemeinsamen Handeln. Ziel musste die Optimierung und eine deutliche Steigerung der Attraktivität des Nahverkehrs in den Ballungsräumen sein.
Dem Fahrgast der zum erreichen seines Fahrtziels oftmals mehr als das Verkehrsmittel eines Anbieters benötigt, sollte nicht weiterhin durch verschiedene Tarife und Beförderungsbedingungen die Reise erschwert werden. Die Verkehrsträger sollten als eine Einheit vom Kunden verstanden werden, dem es nicht mehr zu kümmern brauchte von welchem Unternehmen er nun gerade befördert wird.

Für ihn soll es nur noch
 
einen einheitlichen Fahrausweis,
 
einen einheitlichen Tarif und
 
ein aufeinander abgestimmtes Fahrplanangebot geben.

So kam es nach und nach zu Gründungen von Verkehrsverbünden in verschiedenen Deutschen Städten. Vorreiter war bereits ab 1965 die Freie und Hansestadt Hamburg mit seinem HVV, dem Hamburger Verkehrsverbund. Nach dem gleichen Muster zogen 1972 München mit dem MVV, sowie 1974 Frankfurt mit dem FVV und 1978 Stuttgart mit dem VVS nach. Bemerkenswert ist dabei, das diese Verbünde oftmals zeitgleich mit der Inbetriebnahme der S-Bahn in der jeweiligen Stadt bzw. Region an den Start gingen. Das war kein Zufall, bilden die S-Bahnen meist das Rückgrat des Nahverkehrs dieser Grossräume auf welche sich dann alle anderen Verkehrsmittel ausrichten können.

Die raschen Erfolge der neuen Verkehrsverbünde in München, Frankfurt, Stuttgart sowie später auch an Rhein und Ruhr, begründeten zu einem nicht unerheblichen Teil die neuen S-Bahnen mit den modernen Fahrzeugen der Baureihe 420/421. Sie waren es auch meist, die erst den Verbund mit dem nahen Umland zufriedenstellend herstellen konnten. Die Fahrgäste assoziierten meist von Beginn an diese Züge mit ihrem jeweiligen Verkehrsverbund, das eine scheint sogar mit dem anderen kaum vorstellbar zu sein.

(dm)
2002