Das kleine ET420-Lexikon

MVV

Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund, kurz MVV, fasst die Millionenstadt München und die sie unmittelbar angrenzenden Landkreise zu einem Verbundgebiet zusammen. Wichtigste Verkehrsträger sind die Deutsche Bahn mit ihren 9 S-Bahnlinien und die Stadtwerke München mit 8 U-Bahnlinien, Trambahnen und Bussen. Dazu kommt der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) der mit seinen Bussen weite Teile des Umlandes bedient, sowie weitere kleinere Verkehrsunternehmen. Seit 1972 gilt für alle Verkehrsmittel in diesem Gebiet ein Tarif und ein Fahrplan.

Als 1966 die Bayerische Landeshauptstadt München den Zuschlag zur Ausrichtung der XX.Olympischen Sommerspiele 1972 erhielt, wurde damit begonnen mit hohen Investitionen die Stadt für dieses Grossereignis zu wappnen. Auf den Ausbau des Nahverkehrs wurde grossen Wert gelegt, sollte er die zu erwartenden Gäste schnell und komfortabel zu den Wettkampfstätten und zurück in die Stadt und in die Quartiere bringen. "Die Spiele der kurzen Wege" - das galt nur für die Sportler selbst. Für die abertausende Besucher sollten S- und U-Bahnen die Anreise so leicht wie möglich machen. Beide Verkehrsmittel besass das München des Jahres 1966 noch nicht.

Wenn schon für enorme Summen neue Verkehrssysteme verwirklicht werden sollten, dann müssten diese aber auch so effektiv wie möglich eingesetzt werden. Die Münchener orientierten sich an dem Hamburger Vorbild und gründeten mit dem MVV den zweiten Verkehrsverbund Deutschlands.

Rechtzeitig vor den Sommerspielen gingen U- und S-Bahn in Betrieb und ab dem 28. Mai 1972 bot der MVV den Nahverkehr aus einer Hand. Die besondere Herausforderung, welche die Sommerspiele für den ÖPNV darstellte, wurde hervorragend gemeistert. Der MVV wurde nun nach Hamburg seinerseits das grosse Vorbild für einen modernen Nahverkehr. Das Markenzeichen des MVV waren die weissblauen (genauer: kieselgrau/blauen) Triebzüge der Baureihen ET420/421 und die weissblauen (genauer: beige/blauen) U-Bahnzüge, Trambahnen und Busse der Stadt München. Auch wenn die - scheinbare - Einheit in Sachen Produktdesign nicht mehr gegeben ist, so ist die organisatorische Einheit im Verkehrsverbund auch heute noch die Garantie für einen hochwertigen Nahverkehr.

Die Jahre von 1972 bis heute haben gezeigt, dass sich die Investitionen und die Organisation als Verkehrsverbund bezahlt gemacht haben. Die Fahrgastzahlen sind in den knapp 30 Jahren beinahe kontinuierlich angestiegen, so das bereits ab den 80er Jahren Ausbaumassnahmen dringlich wurden.

Damit der MVV eine Erfolgsstory bleibt, müssen für die nächste Zeit wiederum grosse Anstrengungen unternommen werden. Das gilt vor allem bei der S-Bahn, deren Wagenpark bis zum Jahre 2005 vollständig mit Fahrzeugen der Baureihen ET423/433 erneuert wird. Die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Stammstreckentunnels und sogar der Bau eines zweiten Tunnels sind beschlossen worden. Auf den Radialstrecken der S-Bahn werden Ausbauprogramme aufgelegt, aktuelles Beispiel ist der zweigleisige Ausbau der S2 zwischen Giesing und Deisenhofen.

Die bewährten Fahrzeuge der Baureihe ET420, welche über ein viertel Jahrhundert den Nahverkehr in und um München prägten, werden auf das Altenteil geschickt. Ein wenig Wehmut wird bei vielen Münchnern sicher mitschwingen, wenn sie nur noch ab und an ein Museumsfahrzeug in kieselgrau/blau erblicken werden.

» www.mvv-muenchen.de


(dm)
2002