Das kleine ET420-Lexikon

Das kleine ET420-Lexikon

Hochbahnsteig
Wie hier am Bahnhof von Olching, sichern Hochbahnsteige ein bequemes, nahezu barierrefreies Einsteigen.
 Hochbahnsteig
 

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal eines S-Bahnbetriebs ist die Gewährleistung eines fliessenden und raschen Fahrgastwechsels an jedem Haltepunkt. Ein unbeschwerlicher Wechsel zwischen Bahnsteig und Fahrzeug ermöglicht ein solch schnellen Fahrgastfluss.

Mit der Entwicklung des Berliner S-Bahnnetzes in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts, nahm man zur Realisierung dieser Anforderung eine Anleihe aus dem bestehenden Verweis aufU-Bahnbetrieb: Seit 1902 gab es in Berlin die Hoch- und Untergrundbahn welche so konzipiert war, das die Bahnsteighöhe auf das entsprechende Niveau des Fahrzeugfussbodens angehoben wurde. Ein nahezu stufenloser Zutritt zu den Fahrzeugen war damit möglich geworden.

Bahnsteige bei der Eisenbahn waren und sind auch heute noch grösstenteils wesentlich niedriger als die Zustiege der Züge. Das hat zum einen mit der notwendigen Einhaltung des Lichtraumprofils für alle Schienenfahrzeuge zu tun, ist aber in den meisten Fällen schlichtweg eine Kostenfrage.

Bei der Konzeption neuer S-Bahnsysteme durch die Bundesbahn in den sechziger Jahren, griff man auf die Anwendung von Hochbahnsteigen für einen reibungslosen Fahrgastwechsel zurück. Die Fahrzeugtechnik war zu diesem Zeitpunkt noch nicht soweit in der Lage, ein brauchbares Niederflurkonzept für solche Anforderungen zu Entwickeln. Durch die Konzeption des S-Bahntriebzugs der Verweis aufBaureihe ET420/421 legte man sich auf eine maximale Bahnsteighöhe von knapp einen Meter fest (Meterbahnsteige).

Die Entscheidung zu einer Lösung mit Hochbahnsteigen, hatte eine kostenintensive Umrüstung aller im zukünftigen S-Bahnbereich befindlichen Bahnsteiganlagen zur Folge. Zum Teil wurden Kompromisse durch den Ausbau von Bahnsteigen auf eine Höhe von lediglich 76 cm gemacht. Diese kamen aber zumeist nur in den Aussenbereichen der S-Bahnnetze zur Anwendung. Im Kernbereich, dort wo ein hohes Fahrgastaufkommen und ein entsprechend hoher Fahrgastwechsel zu erwarten ist, wird eine Bahnsteighöhe von etwa 96cm eingehalten.

Bei der Konzeption neuer S-Bahnsysteme strebt man heutzutage niedrigere Bahnsteighöhen an, welche Gleichwohl ein bequemen Zustieg sichern, da die Fahrzeugindustrie mittlerweile dank neuer Technologie niedrigere Fahrzeuge anbieten kann. Jüngstes Beispiel ist die neue S-Bahn für Hannover, dort bieten die Fahrzeuge der Baureihe 424/434 einen durchgehenden S-Bahnstandart auf einer Höhe von nur noch ca. 75 cm an.

 
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