Das kleine ET420-Lexikon

FVV

Frankfurter Verkehrs- und Tarifverbund

Am 26.Mai 1974, die S-Bahn war noch im Bau, ging der Frankfurter Verkehrsverbund FVV an den Start. Dieser erste Verkehrsverbund für die nahe Region um Frankfurt kam durch einen Vertrag zwischen Bund, Land und der Stadt Frankfurt am Main zustande. Flossen bereits Millionenbeträge zum Bau eines S-Bahnnetzes aus den Staatskassen, sollte dieses Verkehrsmittel so effektiv wie möglich für das Rhein-Maingebiet eingesetzt werden.

Das Verbundgebiet und die daraus resultierenden Verkehrsaufgaben unterschieden sich in einigen Punkten von denen etwa in Hamburg oder München. Zeichneten diese beiden Vorreiter in Sachen Verkehrsverbund durch eine reine monozentrische (auf ein Zentrum konzentrierende) Struktur aus, so hatte das FVV-Gebiet auch eine polyzentrische Nuance. Zwar dominiert Frankfurt als Banken- und Handelszentrum als Schwerpunkt in der Region, doch wird die Ausrichtung auf dieses Oberzentrum durch kleinere, aber nicht unbedeutende Mittelzentren zum Teil verzerrt. So strahlen die in Nachbarschaft liegenden Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden, sowie Darmstadt als Bezirkshauptstadt für Südhessen ihrerseits mit ihren Verkehrsbeziehungen in die Region aus. Dazu kommen bedeutende Industriestandorte, wozu wiederum auch Darmstadt zählt, besonders aber Rüsselsheim mit seinem Opelwerk, sowie Hanau und Offenbach. Hinzu kommen noch die Kurstädte am Fusse des Taunus, wie Bad Homburg vor der Höhe, Bad Soden oder Bad Vilbel. Natürlich reicht keiner dieser Standorte an die grösse Frankfurts mit ca. 615.000 Einwohner heran, doch bildet erst der Grossraum zusammengerechnet eine Einwohnerzahl von weit über 2 Millionen Menschen.

Eine weitere Besonderheit ist die bedeutsame Stellung Frankfurts als Verkehrszentrum, wobei man dem grössten Flughafen auf dem europäischem Festland - "Frankfurt Rhein-Main" - einen erheblichen Anteil zuschreiben kann. Nicht zu vergessen sei, dass neben den Reisendenaufkommen der Flughafen als grösster Arbeitgeber der Region noch zusätzlichen Verkehr auf sich zieht. So ging bereits vor der Zeit des FVV, die Flughafenbahn in Betrieb. Es war dem Münchener Triebzug 420 067 vergönnt am 14.03.1972 der Eröffnungszug zum Flughafenbahnhof zu sein. Der weissblaue S-Bahntriebzug war jedoch seiner Zeit ein wenig voraus, kamen die ET420-Einheiten erst ab Mitte der siebziger Jahre allmählich in Frankfurt in Fahrt. Nach knapp drei Jahren Vorlaufbetrieb erhielten die neuen orange/kieselgrauen Triebzüge auch ihre S-Bahnaufgaben und der FVV ein wichtiges Kernstück seines Angebots.
Die S-Bahn verband ab dem 28.05.1978, Wiesbaden (S1), Niedernhausen (S2), Bad Soden (S3), Kronberg (S4), Friedrichsdorf (S5) und Friedberg/Hess. (S6) direkt mit der Frankfurter Hauptwache. Ab 1980 waren auch der Flughafen Rhein-Main, sowie die Städte Rüsselsheim und Mainz mit der S14 Bestandteil des S-Bahnsystems geworden.

Während die Planungen und Bauarbeiten für die Erschliessung des südlichen und östlichen Verbundraums durch die S-Bahn in Gang kamen, bündelte der FVV das bestehende Nahverkehrsnetz zu einem attraktiven Angebot. Doch Anfang der neunziger Jahre zeichnete sich ab, das der FVV die Ernte unter seiner alten Bezeichnung nicht mehr einfahren würde. So wie die Entwicklung des Personennahverkehrs in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Bündelung des Angebots im nahen Ballungsraum für Notwendig erscheinen liess, so musste durch steigende Mobilität nun der Horizont auf den gesamten Grossraum erweitert werden. Hier reagierten die Verantwortlichen vor Ort schneller als die Kollegen in anderen Regionen, die sich mit einer Neuorganisation - z.T. bis heute - noch schwer tun.
Der Verbund wurde neu strukturiert und auf neue organisatorische Füsse gestellt. Ergebnis war 1995 der damals grösste Verkehrsverbund Europas, welcher das gesamte Südhessen - mehr als das halbe Bundesland Hessen - umfasst. Mit dem Fahrplanwechsel 1995/96 löste sich der FVV nach über 20 Jahren seines bestehens auf und an seine Stelle trat der RMV mit einem dreifach so grossen Verbundgebiet.

(dm)
2002